In dieser Zeit entwickelten sich etwa 700 individuelle verschiedene Ryu's (Schulen/Stilrichtungen) eine der wichtigsten und bekanntesten Ryu war die "Yoshin-Ryu" von Akiyama Shirobei. Auch "Weidenherz-Schule" oder Schule des Weiden-Geistes" genannt. Charakteristisch für
Yoshin-Ryu ist der Gebrauch von Atemiwaza (Schlagtechniken auf Vitalpunkte), Kansetsuwaza (Hebeltechniken) und Shimewaza (Würgetechniken). Zu den führenden Schulen dieser Zeit gehörten neben dem Yoshin-Ryu auch das Shin-No-Shindo-Ryu, das Kito-Ryu, das Jikishin-Ryu und das Tenshin-Shinyo- oder Yanagi-Ryu.
Nach dieser Blütezeit der waffenlosen Kampfkunst in Japan erlag das Land starkem westlichem Einfluß. Infolge der Meiji-Restauration (1868-1912) wurde dabei nicht nur die Herrschaft des Adels und der Samurai abgeschafft, sondern auch die einheimische Tradition in einem hohen Maß verdrängt. So sank auch die Popularität der japanischen Kampfstile, so daß sie am Ende des 19. Jahrhunderts vollends in Vergessenheit zu geraten drohten
Als im Sommer des Jahres 1876 der deutsche Medzinprofessor Dr. Erwin Bälz nach Japan reiste um an der Universität in Tokio zu unterrichten, entdeckte dieser die fast untergegangenen japanischen Kampfsysteme. Zeitgleich fing er an diese zu studieren und konnte auch mehrere seiner damaligen Studenten motivieren sich der Kunst des "Jiu-Jitsu" zu widmen. Unter ihnen befand sich Jigoro Kano (28.10.1860 04.05.1938), der in den folgenden Jahren verschiedene Jiu-Jitsu-Stile erlernte, um sie schließlich zu einem eigenen Konzept zusammenzufügen. So studierte er unter anderem unter Fukuda das Tenshin-Shinyo-Ryu, das Jikishin-Ryu und unter Tsunetoshi das Kito-Ryu. Aus seiner Kombination dieser Systeme entfernte er anschließend die gefährlichen Techniken und systematisierte die effektivsten Methoden 1881 in einem Stil, den er Kodokan-Judo nannte. Seine moderne Interpretation der klassischen Kampfkunst betonte vor allem die pädagogische Komponente und wurde schon bald als Unterrichtsfach an japanischen Schulen eingeführt. In den folgenden Jahren gelangte Judo dank der Öffentlichkeitsarbeit Kanos und Bälz zu weltweiter Beachtung und wird bis heute als Erziehungs- und Wettkampfsport parallel zum Jiu-Jitsu geschätzt.
In Deutschland begann die Verbreitung des klassischen Jiu-Jitsu durch Erich Rahn, der von japanischen Meistern gelernt hatte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Versuch unternahm, die Kunst in seiner Heimat zu etablieren. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten und Ablehnung durch die Öffentlichkeit, gelang es ihm 1906, eine erste Jiu-Jitsu-Schule in Berlin zu eröffnen. Nach dem Krieg begann Rahn eine vielbeachtete Demonstrationsreihe durch Deutschland, in der er gegen verschiedene Herausforderer antrat und so dem Jiu-Jitsu zu deutschlandweiter Bekanntheit verhalf.
Im Jiu-Jitsu wird versucht die Kraft des Gegners gegen ihn selbst zu lenken und im richtigen Moment seine eigene Kraft der gegnerischen Kraft hinzuzufügen. Dies kann durch Würfe, Hebel, Schläge und Tritte passieren. Dadurch ist es möglich einen meintlich stärkeren Gegner zu besiegen. Dadurch auch der Begriff "Nachgeben um zu siegen". Deshalb ist Jiu-Jitsu auch sehr gut für Frauen geeignet.
Jiu-Jitsu ist ein allumfassendes Kampfkunstsystem das sowohl aus Schlägen, Tritten, Hebel, Würfen und auch Festlegetechniken besteht. Viele sehr bekannte japanischen Kampfsysteme wie Karate, Aikido und Judo haben ihre Wurzeln im Jiu-Jitsu.
Im Jiu-Jitsu wird aber auch die geistige Haltung geschult. Den nur ein gesunder und ausgeglichener Geist kann in einem Kampf spontan und effektiv reagieren.
Der Jiu-Jitsu Kämpfer will seinem Gegner keinen Schaden zufügen, sondern die Gefahr abwenden und dem Angreifer die Gelegenheit geben, über seine Verfehlungen nachzudenken.